
Das beherrschende Thema: Green communication, jede Menge Greenwashing inklusive.
Die persönlichen Lieblinge (Press & Poster): Carlsberg, Diesel, FHM, Greenpeace, Henckels, Mackenzie University, Mediabooks Bookstore, Nedbank, Nike, Playland, Preservation Society of Illinois, Snickers, Stella Artois, Tide Coldwater, Tide Ultra. (via Ads of the World)
Die persönlichen Lieblinge (Direct & Promo): T.R.E.E.S, World Press Photo Award.
Die größte Chuzpe: Wohl wissend um die wichtigste Erkenntnis reicht DDB Germany weitere Motive der VW-Kampagne “Overtake Faster” ein, die zwar letztes Jahr in Cannes Gold gewann, aber dieses Jahr beim ADC aus der Wertung genommen wurde, da inzwischen bekanntermaßen nicht die taufrischeste Idee. Hat immerhin für Shortlist gereicht. Runner Up: TBWA Paris mit 1:1 Follow-Up-Motiven zur “Sensible-Hände”-Kampagne für Mapa.
Der geschenkteste Löwe: Einmal Gold für Leo Burnett Thailand und einmal Bronze für Lowe Thailand für zwei Agenturen aus dem gleichen Land mit wirklich ein und derselben Idee für ganz ähnliche Produkte.
Die besten Beziehungen: Nordpol+, denn die Hamburger Agentur gelangt aufgrund von Blutsbanden kostenfrei in den Besitz eines veritablen Gold-Löwen für den TV-Spot Wind.
Und das geht so (oder so ähnlich): Realisiert wurde der Film laut Credit-Liste von den drei Kreativen Björn Rühmann, Joakim Reveman und Matthew Branning, Regie führten via Filmproduktion Paranoid Projects The Vikings, hinter denen sich – ganz offiziell – niemand anderes verbirgt als ein Kreativkollektiv um Björn Rühmann, Joakim Reveman und Matthew Branning. Was wiederum heißt, dass sich die drei ganz einfach eine tolle Idee ausgedacht und auch gleich selbst umgesetzt haben – und zwar für die Filmproduktion, mit der das Trio letztes Jahr die Mapa-Print-Kampagne „Sensible Hands“ verfilmt und die Amora-Hot-Ketchup-Filmkampagne cannesversilbert hat.
Doch auch wenn das in Paris lebende geniale Kreativduo Rühmann/Revemann hauptberuflich fest-frei für die Konkurrenz von TBWA in Frankreich (Sony Playstation, Mapa, Amora Hot Ketchup, Nissan Qashkai-Launchkampagne) arbeitet und eben nicht für den dritten Nordpol am Hamburger Ballindamm, so gibt es dennoch einen ganz besonderen Draht nach Deutschland: nämlich Lars, seines Zeichens Bruder von Björn Rühmann und geschäftsführender Kreativchef von Nordpol+. Jener kleinen, feinen Agentur also, die zufällig das Energie-Unternehmen Epuron auf seiner Kundenliste stehen hat. Und die sicherlich, genau wie der Kunde und der notorisch finanzschwache Bund, mehr als happy über so ein unverhofftes wie schönes Geschenk war.

Die persönlichen Lieblinge (Film): Satellite von BBH London für Audi. Palace von McCannErickson Mumbai für Happy Dent. Dots von McCann Erickson Brasil für die Dorina Nowill Foundation. Rituals von Publicis Mojo Melbourne für Drumstick. Pretty von Wieden & Kennedy Portland für Nike. The day you went to work von M&C Saatchi für Transport For London. Dangerous Liaisons von BBH London für Levis. Vision von Jung von Matt für JesusCenter Hamburg.
Die inspiriendsten Augenblicke: Der Vortrag von Nigel Marsh, CEO von Leo Burnett Sydney, über Green Communication und das Earth Hour Projekt. Wie immer der Saatchi & Saatchi New Directors Showcase (auf ‘Menu’ klicken).
Die beeindruckendste Leistung: 2003 bekam P&G plötzlich den Cannes-Flash und informierte seine Agenturen: Wir wollen den Grand-Prix. Saatchi-CEO Kevin Roberts und Saatchi-CCO Bob Isherwood versprachen dem Procter-Chef daraufhin persönlich: den Grand-Prix bekommst Du von unserer Agentur – innerhalb der nächsten fünf Jahre. Sie schrieben eine offizielle E-Mail ans Netzwerk und machten die Mission zum Business-Ziel. Sie haben Wort gehalten.
Die beste Party: eine, auf der ich nicht war.
Der längste Tag: Donnerstag auf Freitag. Frühmorgens Headlines texten für Kampagnenpräsentation am Abend, dann Frühstück mit Chef am Strand und Headlines abstimmen. Dann in den Palais zum New-Directors-Showcase-Gucken. Dann Autorollen-Gucken. Dann Press-und-Poster-Austellung-Gucken. Dann umziehen. Dann zum abendlichen Kundenempfang am Strand inklusive Meeting/Kampagnenpräsentation. Bisschen essen und zu trinken anfangen. Dann nach Super-Cannes zur Netzwerk-Party, bisschen essen und weiter trinken. Dann zurück zur Croisette. Dann grund- und ziellos einmal durch die Martinez-Bar. Dann rüber zur Gutter-Bar, nichts mehr essen, aber weiter trinken. Dann mit Glas in der Hand durch die Rue D’Antibes, die Kollegin zum Taxi bringen. Dann endlich ins Bett – mit Glas in der Hand.
Die wichtigste Erkenntnis (nur zur Erinnerung): Werbung für Cannes muss nicht original sein – aber originell – zumindest in den Augen von Publikum und Juroren.
Der fundamentalste Business-Wandel: die neue Frisur von Alex Bogusky.
(wird fortgesetzt)

Mehr dazu nach und nach in den folgenden Tagen. Vorab nur soviel: König der Löwen Herzen war diese Silber-Kampagne aus Argentinien. Kann natürlich auch daran gelegen haben, dass überproportional viele Südamerikaner im Publikum saßen.
Wer derweil schon einmal etwas tiefer in das Filmarchiv eintauchen (und vielleicht auch den ein oder anderen Spot abspeichern) möchte, gibt für die Einreichungen diesen Jahres folgende URL ein:
http://archives.canneslions.com/media/2007/tv/high/2007_ccc_eee_high.mov
mit ccc = 000 – 029 für die Kategorien, und
mit eee = 000 – 999 für die Einreichung innerhalb der Kategorie.
Das Integrated- und Titanium-Archiv wiederum öffnet seine Pforten via der URL:
http://archives.canneslions.com/media/2007/titanium/high/2007_001_eee_high.mov
mit eee = 000 – 324 für die Einreichung.
Für die gezielte Auswahl ist jedoch wie stets der Cannes-Katalog oder zumindest die Shortlist-Übersicht unentbehrlich.
Alle Jahre wieder: Der ADC hat (hin)gerichtet. Die offiziellen Ergebnisse und Kategorien finden Interessierte in der Galerie der Gewinner auf der ADC-Website. Das wahre Fazit wie immer hier:
Das Beste Liebste:
Der BMW 7er Film Night Vision von Jung von Matt/Alster.
Der Nike-Spot Defy von Wieden + Kennedy, Amsterdam.
Der Smart fortwo Film Rückbank von BBDO Campaign Düsseldorf.
Die Berliner Zoo-Kampagne “Morgen im Zoo” von Scholz & Friends Berlin.
Die DEFMini-Records Website von Interone.
Der Bisley Adventskalender von Kolle Rebbe.
Das Blut, der Schweiß, die Tränen (und mein Respekt):
Die Kronkorkenplakate von Ogilvy & Mather, Frankfurt.
Die Stellengesuchplakate von Serviceplan Hamburg.
Die Doppelherz-Anzeigen von Scholz & Friends.
Geschenkt:
Viral-Gold für Ogilvy & Mather Deutschland, deren Dove-Filmchen komplett von O&M/Canada ausgedacht und realisiert wurde.
Kino-Silber und TV-Bronze für Jung von Matt, deren herzallerliebster Werbespot “Night Vision” sich direktemang auf eine in Cannes prämierte Anzeige von Sony zurückführen lässt, in der eine Video-Kamera mit Nachtsichtoptik das heimliche Geturtel von Hund und Katze sichtbar macht.
TV-Gold und Kino-Silber für Grabarz & Partner, deren wirklich sehr, sehr schöner Phaeton-Spot “Schattenspiele” gewisse konzeptionelle und visuelle Ähnlichkeiten mit einem Cannes-dekorierten Spot für die Fundacion Vida Silvestre Argentina aufweist (was übrigens schon lange vor dem ADC im Netz angemerkt wurde).
TZ-Bronze für die Touareg-Kampagne “Vergleiche”, deren visuelle und textliche Mechanik einer vom ADC selbst vor einigen Jahren prämierten Anzeigenstrecke von Mercedes Benz zum Verwechseln gleicht.
Media-Silber für JvM/Spree und die Idee, ein Produkt (namentlich den DHL-Truck) “zum ersten Mal überhaupt” durch einen Werbeblock und Fremdspots fahren zu lassen. Hat vielleicht irgendeiner der Juroren mal vom Energizer-Bunny gehört?
Warum?
Bronze für Volkswagen “Mehr Spaß in Kurven” in Print und auch noch TV – weil der Verschnitt aus Albernheit und billigen Execution Values die Jury-Mitglieder total angefixt hat?
Bronze für Hastings Audio “Gute Werbung in Ton” – weil die Überdosis aus Wortspiel und Kalauer dem kollektiven Juryverstand den goldenen Schuss versetzt hat?
Silber für den Reiseführer-Funkspot von FlemmingPfuhl für die Buchhandlung Cohen und Dobernigg – weil ein viel zu langer, mäßig getexteter, billig parodierter, höchstens einmal spätnachts versendeter Kalauer-Funkspot mit fadenscheinigem Political Correctness Provokationspotential derartig schlecht ist, dass er das Ritterkreuz mit Eichenlaub in Silber verdient hat?
Silber für Mini, Jeep und IWC in Print? – weil… darum?
Totalausfälle:
Organisation und Ablauf der Preisverleihung. Die beiden vergangenen Jahre sollten uns nur in Sicherheit wiegen.
Jury-Präsenter, die bei der Preisverleihung keine zwei zusammenhängenden Sätze rauskriegen und Sachen sagen wie: “Die Arbeit hat Silber bekommen, weil wir sie erst gar nicht verstanden haben.”
Die Bewertungen in der Kategorie Text (zugegeben, da bin ich befangen).
Der Aufmacher der MAX-Sonderausgabe, die Frauen, die sich dafür hergegeben haben und die Verbalmenstruation, die sie obendrein absondern.
Warum freuen, wenn’s auch anders geht:
Ein JvMler zum anderen:
“Und was hast Du so?”
“Silber und Bronze.”
“Och, das ist ja ganz okay.”
“Hhm ja, besser als nichts.”
“Jean-Remy ist angeblich total sauer: wieder kein Gold. Gab dann bei unserem Abendessen gestern voll die Brandrede. Schätze mal, nächste Woche wird’s richtig abgehen.”