Auris schreibt’s an jede Wand

Die größte Plakatkampagne Deutschlands von Toyota
Plakat statt TV als Leitmedium Extraordinaire für eine Auto-Einführung – und zwar nicht aus Budgetgründen, sondern als strategische Entscheidung: ein schöner und unter Media-Gesichtspunkten durchaus auszeichungswürdiger Scoop, wie ich finde. Letzten Freitag also hat Toyota für das neue Modell Auris Deutschlands größte Plakatkampagne gestartet. Eine Dekade sind alle* offiziellen Plakatstellen mit einem von 23 Auris-Motiven bestückt. Macht laut Pressemeldungen 200.000 Stück. Agentur ist BMZ + More, die Media-Planung kommt von Zenithmedia.
Die Kampagne macht tatsächlich Eindruck, bleibt hängen. Und da sie handwerklich – obschon kein Highlight – alles andere als ein Verkehrsunfall ist, kann ich mir daher gut vorstellen, dass wir das künftig wieder einmal sehen: ein massiver Produkt-Launch per Plakatpapier. Zwei- bis dreimal im Jahr wäre das theoretisch sicherlich drin, und besser angelegt als in einem privaten TV-Werbeblock allemal.
Ach ja, und wer sich die Plakate ein wenig genauer anschaut, wird feststellen, dass es kein japanisches Auto ist, das da mitten in einer fotogenen Wüstenlandschaft steht, sondern ein ostfriesisches. Zumindest zulassungsmäßig. Dazu auszugsweise ein Artikel aus der Hannoverschen Allgemeinen vom 17. Februar:

Das Modell heißt „Auris“, der Begriff lehnt sich an „Aurum“ an, das lateinische Wort für Gold. Und wenn es schon ein Name ist, der auf ein deutsches Nummernschild passt, haben die Marketingstrategen des Konzerns überlegt, dann bewerben wir es auch so: „AUR-IS“. So führten diese globalen Überlegungen schließlich in den Landkreis Aurich, in das beschauliche Dorf Marcardsmoor zum Autohaus von Manfred Decker. Der betreibt die einzige Toyota-Vertretung in der Gegend, und weil selbst ein japanischer Großkonzern keine Autos im Landkreis Aurich anmelden kann, wenn er nicht im Landkreis Aurich ansässig ist, musste Decker den Werbegag in die Tat umsetzen. Insgesamt 90 Fahrzeuge meldete er für die deutsche Toyota-Konzernzentrale in Köln mit dem Kennzeichen „AUR-IS“ an. Die Zulassungsstelle in der Kreisstadt hat sich nach Deckers Beobachtungen zwar „äußerst kooperativ“ gezeigt, doch den Wunsch nach fortlaufenden Nummern konnte die Behörde dem Unternehmen dann doch nicht erfüllen. So lieferte Decker dann in Köln „AUR-IS“-Schilder mit „Nummern, die frei waren, manche zwei-, manche dreistellig“. Seitdem machen die Auricher Fahrzeuge weltweit Karriere.

*Einschränkung: In der mittelhessischen Provinz allerdings war gestern Abend weit und breit (noch) nichts von der Auris-Kampagne zu sehen.



11 Kommentare dazu:


  1. Und das Schönste für die Werbetreibenden: Bei dieser Dichte kann man auch nicht wegzappen. Ich interessiere mich nicht Auto-Launches - und siehe da, den Auris habe sogar ich mitbekommen. Welche Namensagentur war eigentlich für den Namen verantwortlich?

    meint Ulli Kiebitz am 26.02.2007 um 13:20 via Kommentar


  2. In der Tat. Aufgeräumte, solide Kreation, tolle Mediastrategie.
    Und: Dank dir, weiß ich nun auch wieviel Motive es sind (23!).

    Tolle Arbeit von BMZ!

    meint Koenich Johann am 26.02.2007 um 16:48 via Kommentar


  3. irgendwie enttäuschend. das auto ist so toll, dass alle hingucken… gääähn… und fast alle plakatflächen zu belegen, ist jetzt auch keine umwerfende neue media-idee. ich mach die augen lieber zu.

    meint r_nuwieder am 27.02.2007 um 08:10 via Kommentar


  4. Ich habe es gerade erst bemerkt dass im Zentrum Dresden irgendwie alles voll ist mit den Plakaten. Mir gefallen sie, die Motive sind gut gewählt und die Fotos stimmen. Zum Teil wurde auch etwas rumexperimentiert, so sind bei zwei getrennten Plakaten auf dem einen das Auto und auf dem anderen eine Person zu sehen, welche in die Richtung des anderen Autos blickt. Nett gemacht, wie ich finde…

    meint rico am 27.02.2007 um 08:59 via Kommentar


  5. @r_nu_wieder: offensichtlich ist es - zumindest hierzulande - schon eine sehr neue Media-Idee, sämtliche buchbaren Plakatstellen zu belegen, denn es hat vorher noch niemand gemacht - auch die Golf-Jubiläumskampagne nicht. Dass die Kampagnenkreation unter der ADC-Lupe dabei kein Highlight ist, bleibt unbenommen. Wobei sie mit Sicherheit deutlich solider daherkommt als 95% all dessen, was demnächst wieder hängen wird. Vor allem aber besticht die Qualität in der Quantität der Werbestrategie: Wieviele Millionen Werbespendings versenden zum Beispiel zahllose Unternehmen in den Äther, bis sie halbwegs nennenswerte Ergebnisse erzielen? Toyota hingegen kann sich nach gut einer Woche(!) sicher sein, dass der weit überwiegende Anteil der lesefähigen Bevölkerung schon mal was vom Toyota Auris gehört hat. Vielleicht sogar einen ganz passablen Eindruck vom Auto gewonnen hat. Und das in kürzerer Zeit und für am Ende deutlich weniger Geld, als man in eine vergleichbar wirkungsvolle TV-Kampagne hätte investieren müssen.

    meint Verführer am 27.02.2007 um 09:45 via Kommentar


  6. Also an der Kampagne kommt man ja echt nicht vorbei. Sauber fotografiert. Aber das ist bei 2000 Top Autofotografen auf der Welt auch keine Kunst mehr. Macht aber nichts, ich find die Umsetzung angenehm.
    Die Idee finde ich allerdings sehr langweilig und die Umsetzung leicht verwirrend. Toll, jeder schaut den Wagen an… Aber warum in der Wüste? Hab ich was verpasst?
    Wie auch immer. Saubere Kampagne.

    meint Axel am 27.02.2007 um 12:03 via Kommentar


  7. jaja, ich hab das schon verstanden. trotzdem: die kampagne ist allenfalls wenn überhaupt und das auch nur unter größten bedenken “nett”. und “nett” - das wissen wir von dieter bohlen - ist die kleine schwester von “scheisse”.

    meint r_nuwieder am 27.02.2007 um 21:24 via Kommentar


  8. Massenplakatierungen wirken sich im Media-Etat anscheinend negativ auf die verwendete Kleber-Qualität aus.

    meint Leser G. am 28.02.2007 um 01:21 via Kommentar


  9. Manueller Trackback: Hauptstadtblog

    meint The Exit am 28.02.2007 um 13:32 via Kommentar


  10. Und lustig ist die Kampagne Dank Platzierungsfehler doch noch geworden. Wenn der Stier auf das Telekom-Plakat schaut. Oder das Auto rechts ist, der Mann im Kanal-Deckel aber nach links schaut. Da fällt es mir schwer zu entscheiden, wer kreativer war: Plakatierer oder Agentur ;-)

    meint krixikraxi am 28.02.2007 um 13:58 via Kommentar


  11. Wann kommen die bloß wieder ab. Jetzt reicht es echt.

    meint Axel am 01.03.2007 um 13:50 via Kommentar



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