Aus den Tiefen der Werbesonggruft
Eine Aufräumaktion vor einigen Wochen förderte diese zweifelhafte Pretiose zutage: Number one, der offizielle Song der Eurocard Open 1997. Ich war damals für die Marke tätig und musste das Lied sogar irgendwo einbauen in einen Tag-On, einen Funkspot oder was auch immer. Vielleicht aber auch nicht. Denn wenn schon nicht angesichts des Covers, dann spätestens bei den ersten Takten wird jedem Hörer klar, dass jegliche intesivere Beschäftigung mit diesem Auftragselaborat unweigerlich zu Traumatisierung und Verdrängung führen muss. Selbst der postmodern trash-goutierende Zugang will bei dem Werk einfach nicht gelingen, fehlt ihm doch selbst jene amateurhafte, freundlich humoristische Komponente, wie sie sonst manch andere Werbemelodie auszeichnet. Nein, die ganze Sache war derart ernst gemeint, dass der Song inklusive vier Remixen auf einer Maxi-CD offiziell bei BMG Ariola rauskam und man sich beim Kreditkartendealer allen Ernstes ausrechnete, damit in die Charts einzusteigen. Noch erstaunlicher, leider jedoch ungeklärt, ist nur, was Frau Khan dazu trieb, dem Machwerk ihre Stimme zu leihen: War es eine exorbitante Gage (kaum vorstellbar)? Verblassender Ruhm (schon eher)? Oder eine obskure Verbindung zum Komponisten/Gitarristen (sehr wahrscheinlich)? Ach ja: Wer will, kann die CD gerne haben. Der Half Court Dub Mix (3:53) ist bestimmt der Burner auf jeder Tennisclub-Weihnachtsparty. E-Mail genügt.
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[...] Das Werbewunderland hat ganz tief in der Kiste gewühlt und ein Werbe-Relikt aus den 90er gefunden, in denen Tennis noch en vogue und die Musik teilweise grottenschlecht war. Schade eigentlich, dass es kein MP3 gibt. Vielleicht würde das Ding, dank Long Tail doch noch mal verkauft werden. [...]
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