Kommunikation über Kopulation

Der vielleicht größte Werbe-Tabubruch seit Benetton findet in diesem Augenblick auf einer Website statt: sexpacking.com. Dort präsentiert das alles andere als avantgardistische französische Modelabel Shaï seinen aktuellen interaktiven Sommerkatalog: in Form völlig unzensierter Dreiminutenpornos. Keine Persiflage, keine pseudo-künstlerische Verbrämung, keine unglaubwürdige Sozialkritik. Aber auch keine reißerische XXX-Bezirk-Ästhetik oder schundbillige 69-69-Rufmichan-Rufmichan-Umsetzung. Sondern drei Clips, die geradezu selbstverständlich versuchen, Heteros genauso anzusprechen wie Homos und in denen die Hüllen fallen, währenddessen diese im Quicktime-Movie nebst Produkt- und Preisinfo stets anklickbar bleiben.
Das eigentlich Erstaunliche bzw. Aufregende jedoch ist nicht der Tabubruch an sich. Sondern eben die unbefangene und im besten Sinne erwachsene Art und Weise, wie er verarbeitet wird. Von der unprätentiösen und technisch sauberen Präsentation über die richtig gute Musik (auf der Website ebenfalls zum Download) bis hin zu den Filmen selbst. Die nämlich sind zwar mit DV-Kamera, aber fast schon videoclipartig und glücklicherweise mit Models gedreht, die mit Dolly Buster & Und Den Silikonopfern nur die Branche gemein haben. Dadurch muss man persönlich weder Inhalt und noch Praktiken goutieren – das muss man bei Horrorfilmen auch nicht – aber so – und nur so – kann man sie als legitime Verkaufsmechanik akzeptieren.
Hier zur Einstimmung das – weitestgehend jugendfreie – Making Of Sexpacking.com [28,6 MB, MP4-Format – je nach Browser mit Rechtsklick speichern und ggf. auch .txt-Endung entfernen]. Und on-top noch ein hilfreicher Link. No Reason To Be Shaï.
Update: In der neuen Ausgabe der MAX (5/06) steht ebenfalls ein Bericht über die Kampagne und deren Produktion.
22 Kommentare dazu:
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macht guude laune…
meint fred labosch am 27.04.2006 um 19:47 via Kommentar
Ich bin letzte Woche d’rauf gestossen. Mir drängt sich regelrecht ein Shop-Konzept auf. Das Wagnis ist jedoch mehr faszinierend, als die Boobs und die Milch selbst.
Und: Wie wir hier sehen, bedarf es mal wieder einer gewissen Radikalität um Qualität von Web-Produktionen (egal welcher Art) unters Volk zu mischen. Grenzwertig? Nein! Weiter so oder so oder so oder auch ganz anders.
t+
meint Thorsten Wehner am 27.04.2006 um 21:29 via Kommentar
Meine Gedanken in ihren Worten. Ich denke Tabubruch und Aufschrei sind hier die falschen Anzsätze. Es geht um Stil, Geschmack, Freiheit und darum, dass ,was für eine Generation “normal” ist, zu leben. Jedoch ohne dabei Klischees zu bedienen oder abfällig über Geschlechter oder Sexualität zu urteilen.
meint Mr. BlackBletJones am 28.04.2006 um 08:49 via Kommentar
Danke für den Hinweis. Meine Gedanken dazu habe ich hier festgehalten (manueller Trackback):
http://www.agenturblog.de/archives/2006/04/shaie-virales-porno-marketing.php
meint Oliver Wagner am 28.04.2006 um 09:59 via Kommentar
Wir unterbrechen das Programm für ein wenig Pornos…
[...]
Wer selber sehen will, wie das französische Modelabel Shaï mit Hilfe dreier recht ästhetischer Kurz-Pornoclips versucht ihren Klamottenumsatz anzukurbeln klicke bitte hier. Schnell! Denn in ein paar Stunden wird die Seite aufgrund des Anstu…..
meint cheinemanieren am 28.04.2006 um 16:41 via Trackback
Schöne Videos, aber dennoch beängstigend, dass nun die Trieb-Ebene unserer Wahrnehmung direkt angesprochen wird: Der Mensch verkommt zum konsumierenden Koitus-Süchtigen kontinuierlich zur Kauf- und Triebausübung stimuliert. Schöne, neue Welt…
meint Jander am 28.04.2006 um 19:22 via Kommentar
nee, porno als werbemittel find ich völlig daneben.
mir graut schon vor der vorstellung, wieviel verschwitzte schmerbäuchige cds das ihren jungen grafikerinnen vorspielen…
meint werber am 28.04.2006 um 23:46 via Kommentar
Krass, wenn das die Werbung ist, wie sieht dann wohl eine Weihnachtsfeier bei denen aus?
Und wie erwachsen und professionell hier über darüber diskutiert wird, toll. Wie die Medienwissenschaftler an meiner Ex-Schule: Alles totquatschen. (;
Da halt ich’s doch lieber mit Fred: Macht guude Laune. Sollte Werbung immer machen, oder?
meint Sav am 29.04.2006 um 12:03 via Kommentar
Ach so, dass Franzosen gerne mal einen Dachschaden haben und die Klamotten aussehen wie von KiK habe ich schon gesagt, oder?
Korrektur: Der Erik Vervroegen, der hat zum Beispiel einen echt angenehmen Dachschaden. Aber der ist ja auch Belgier. Da würde ich gerne mal rauf, auf’s Dach. Beziehungsweise rein. In die Agentur, meine ich. Moment, jetzt hab ich’s: Jean-Pierre Jeunet, dessen Dachschaden bewundere ich geradezu. Verzeiht den Redeschwall, ich bin erregt.:)
meint Sav am 29.04.2006 um 12:26 via Kommentar
Und jetzt muss ich gerade an den armen Designer denken, der das Quicktime fertig machen musste. Ist bestimmt kein Spaß, vor jedem Klogang erstmal fünf Minuten das Bild der eigenen Schwiegermutter betrachten zu müssen. Schnell mal Besprechung im Konfi ist auch nicht drin. Was sollen da denn die Praktikanten denken?
meint Sav am 29.04.2006 um 12:42 via Kommentar
@sav *prust* Ja, sehr gut - hehe, da musste wohl oft die Schwiegermutter herhalten.
meint Jander am 29.04.2006 um 16:49 via Kommentar
Ich mag nur den Women-Women clip.
meint Holger am 29.04.2006 um 17:30 via Kommentar
Eindeutig ein neuer Versuch der Werbung. Mal sehen, wann der Werberat dagegen einschreitet. Und mal sehen, ob es wirklich sinnvoll ist, solche Werbung auszusenden, weil die Kleidung letztendlich nicht im Vordergrund steht, sondern nur ein anderes Thema: Sex. Es ist schon nicht verwerflich oder schockierend, sondern echt professionell gemacht. Allerdings bin ich gespannt, was für Diskussionen es gibt.
meint Nick Blume am 30.04.2006 um 10:50 via Kommentar
Sure Grandprix beim Euro-Effie.
Motto: wie bekomme ich mit 30 TEUR europaweites Aufsehen?
Danke.
meint koenich Johann am 02.05.2006 um 11:35 via Kommentar
[...] In Deutschland jedenfalls sehr viel weniger als in Frankreich. Eine vergleichbare Kampagne wäre bei uns wegen des schärferen Jugendschutzrechtes nicht möglich. Mehr lesen: agenturblog Werbewunderland [...]
meint zeineku.de » Pornographie und Werbung am 03.05.2006 um 16:45 via Pingback
[...] p.s. wer sich vorher den (immerwieder angenehmen) theoretischen hintergrund durchlesen möchte … quasi als vorspiel … dem sei im werbewunderland geholfen. [...]
meint dieses und jenes » Blog Archive » die mutter aller webshops am 03.05.2006 um 22:53 via Pingback
Free XXX Hardcore Porno oder Werbung?…
Ich war zunächst wirklich irritiert ob das ein Witz (…dafür ist das Agenturblog ja nicht gerade bekannt) oder echt ist…. Das Netz ist natürlich voller XXX Filme, jedoch wird hier gezielt der Zugang leicht gemacht und Endverbraucher…
meint how-people-think am 08.05.2006 um 07:36 via Trackback
ich mein, genau das ist doch guerilla vom allerfeinsten oder? egal ob shai auf die kampagne positives oder negatives feedback bekommt, aber SHAI wird in zukunft genau bei leuten wie uns in erinnerung bleiben und sie haben genau bei solchen leuten wie uns aufmerksamkeit erweckt - und darum gehts doch oder? ich bin die letzten 2 wochen des öfteren mit dieser kampagne von verschiedensten seiten konfrontiert worden, also den aufmerksamkeits-effekt haben sie auf jedenfall gut hingekriegt - jetzt müssen sie nur noch anständige klamotten produzieren ;-) weil die sehen ja echt aus wie vom aldi!!!! soweit… daniel
meint Daniel am 10.05.2006 um 13:30 via Kommentar
[...] via matblog. Siehe auch Werbewunderland dazu. Artikel abgelegt unter: [...]
meint Basic Thinking Blog » Beispiel für virales Marketing am 13.05.2006 um 09:40 via Pingback
[...] [via Werbewunderland ] Verwandte Beiträge [...]
meint agenturblog.de » Shaï - Virales Porno Marketing am 19.05.2006 um 12:20 via Pingback
[...] Die Geschichte ist, darauf warten ja jetzt alle, die folgende: Stephan König, der hier als Illublogger tätig ist, schickte mir einen Beitrag zur neuen Onlinekampagne der französischen Klamottenfirma Shaï. Unter dem Deckmantel des innovativen Marketings haben die schlicht drei Hardcorepornovideos gedreht (wirklich!) und sich nun abfeiern lassen. Nach einigem hin und her habe ich mich dann dazu entschlossen, den Beitrag NICHT zu bringen und die Seite auch nicht zu verlinken - aus verschiedenen Bedenken, auch aus Rücksicht auf den ein oder anderen Leser, der das daneben finden könnte, den Jugendschutz usw. usf. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei. Doch nur wenig später entdeckte ich, dass die Sache ein alter Hut ist, denn hier, hier, hier und auf jeden Fall natürlich auch hier wurde schon lange mit direktem Link berichtet. [...]
meint Storyblogger » Skrupel? Empathie? Oder was…? am 10.08.2006 um 09:44 via Pingback
[...] vor einiger Zeit hatte ich im Agenturblog (…der wiederum durch das werbewunderland aufmerksam geworden ist) den Post “Shaï - Virales Porno Marketing” gelesen. Ich [...]
meint how-people-think» werbemittel » Free XXX Hardcore Porno oder Werbung? am 21.09.2008 um 13:17 via Pingback