Schiffe versenken in Hamburg

horizont.net berichtet:

Die Hamburger Agenturgruppe Springer & Jacoby hat die ersten Schritte ihres groß angekündigten Effizienzprogramms vorgestellt, mit dem sie ihre Arbeitsabläufe radikal vereinfach will. Um das zu erreichen wird das traditionelle Unit-Programm abgeschafft. Stattdessen wird die Agentur künftig in Kundenteams organisiert sein, die sich um die einzelnen Etats der Agentur kümmern. Was auch den bisherigen GmbHs wird ist noch unklar. Ebenso wie viele der derzeitigen Mitarbeiter in das neue Modell integriert werden.
Eine weitere Neuerung: S&J bietet seinen Kunden künftig einen neuen Tarif an, den die Agentur “S&J Efficiency” nennt. Er soll das herkömmliche Honorierungsmodell - S&J Classic - ergänzen. Der Effizienztarif beinhaltet unter anderem weniger Arbeitsstufen, straffere Abläufe und standardisierte Briefings und soll deutlich günstiger sein. Um sich darüber hinaus noch stärker auf die Arbeit für die Kunden konzentrieren zu können, will die Agentur für ein bis zwei Jahre an die Teilnahme an jeglichen Kreativwettbewerben verzichten.

Auf New Business.de klingt das ganz ähnlich:

Ganz der Dienstleister für die Kunden will Springer & Jacoby in Zukunft sein. Um sämtliche Kräfte für die Betreuung der Etats frei zu haben, will die Kreativschmiede nicht mehr an Kreativ-Wettbewerben teilnehmen. 30% der Kapazitäten ‘verschwendeten’ die CDs in der Vergangenheit wegen dieser Wettbewerbe. Diese Kapazitäten sollen nunmehr den Kunden zugute kommen. Das ist ein Teil des heute präsentierten Effizienzprogramms von Springer & Jacoby. Außerdem wird das seit vielen Jahren praktizierte Unitsystem über Bord geworfen. Die Verwaltung der einzelnen GmbHs binde zu viel Kraft. Das neue Programm verabschiedeten gestern der Aufsichtsrat und die neu strukturierte Agenturführung um Oliver Schwall und Erik Heitmann.

Und WUV.de schreibt:

Die Hamburger Agentur Springer & Jacoby hat am Mittwoch ‘erste Schritte’ zur Umsetzung des angekündigten Effizienzprogramms vorgestellt. Die Agentur verabschiedet sich von ihrem Unit-System, baut Hierarchien ab und will ihre Arbeitsabläufe deutlich straffen. Dabei erteilte die Agenturführung für die Zukunft unter anderem teuren Gold-Ideen – im Hinblick auf Kreativwettbewerbe – eine klare Absage. Es gelte, alle Konzentration auf die wichtigen und sichtbaren Kampagnen zu lenken. Ein Absturz im Kreativ-Ranking würde dafür im Zweifel bewusst in Kauf genommen. ‘Dieses Risiko gehen wir ein’, hieß es dazu auf der Pressekonferenz in der Hamburger Poststraße, wo die Agentur ihren Sitz hat.
Auf den Kopf gestellt werde künftig ferner der Arbeitsablauf: Nicht erst die Idee und dann die Kommunikationskanäle, sondern umgekehrt soll zukünftig verfahren werden. Außerdem biete man den Kunden neben dem klassischen Honorartarif jetzt einen neuen ‘Efficiency Tarif’ an. Dabei würden Briefings standardisiert und die Zahl der Meetings und Arbeitsstufen verringert. Die für die einzelnen Etats verantwortlichen Personen würden künftig von Management-Aufgaben befreit. Nähere Details zu ihrem Effizienzprogramm gab die Agentur nicht bekannt.

Da man Reinhard Springer und Konstantin Jacoby ungern Wahnsinn unterstellen möchte, müssen jetzt viele Menschen Werber einfach fest an’s Genie der beiden Inhaber glauben. Denn S&J selbstversenkt seinen berühmten Kreuzer-Flottenverband und lässt dabei sämtliche Award-Ambitionen gleich mit über Bord gehen. Offensichtlich waren die hunderttausende von Euro, die S&J nach dem Kreativeinbruch 2004 gerüchtehalber investiert habe, um unter anderem das “historisch beste Ergebnis einer deutschen Agentur in Cannes” einzufahren, ein zu hoher Preis – zumindest aber einer, den man dieses Jahr wohl nicht nochmals berappen wollte. On top zu den 30% nicht (guten Gewissens) weiter berechenbaren Kapazitätskosten.
Aber nicht nur den ewigen Rivalen Jung von Matt fordert die Mutter aller Hamburger Kreativagenturen mit dieser Repositionierung zu einer Stellungnahme heraus. Die Voranstellung des Kommunikationskanals vor die Idee ist zugleich eine deutliche Absage/Ansage an den (oft genug an der Planungsrealität der Unternehmen vorbeigehenden) Hype um medienneutrale Ideen. Ganz zu schweigen vom Affront gegen den awardfixierten Teil der eigenen Arbeitnehmerschaft. So oder so: Wenn irgendetwas das Wort “Paradigmenwechsel” verdient, dann diese Aktion. I can see them freak waves coming.



18 Kommentare dazu:


  1. fragt sich nur, womit eine agentur wie s&j in zukunft dann noch ihre überdurchschnittlich hohe preisliste rechtfertigen will. wenn nicht mit einem vorderen platz im kreativ-ranking, womit denn dann? etwa mit effies? oder mit beratungskompetenz? lächerlich! mir tut jetzt schon jede idee leid, die in den nächsten wochen in der poststrasse das licht der welt erblicken wird… (von den armen kreativen mal ganz abgesehen)

    meint anti-karl am 14.09.2005 um 22:14 via Kommentar


  2. “fragt sich nur, womit eine agentur wie s&j in zukunft dann noch ihre überdurchschnittlich hohe preisliste rechtfertigen will.”

    … auch die wurde zur disposition gestellt… siehe S&J efficency tarif

    meint rolf am 14.09.2005 um 22:31 via Kommentar


  3. Mist, wegen solcher Agenturen bin ich vor Jahren in die Reklame gegangen. Aber stop….jetzt arbeite ich in einer kleinen Agentur. Freude! Freude! Freude! Wir reichen im Dezember ein oder zwei Ideen ein und weil 500 von SuJ ausbleiben, steigen unsere Chancen! Und wir werden erfolgeichste Agentur aller Zeiten! Yipijaja Jipi Jipi Yeah!

    meint C. am 14.09.2005 um 22:36 via Kommentar


  4. Da kann man demnächst aber wohl vor allem einen ganzen Sack Kreativer von der Freakwave auf die Strasse gespült sehen, da setze ich einen tristen Mittagstisch bei Essen & Trinken drauf; und die verbleibenden Kreativen werden dann wohl demnächst total effizient das Licht in der Poststrasse noch ein bisschen länger anlassen müssen.

    meint Herr Herrner am 15.09.2005 um 11:02 via Kommentar


  5. Die Frage, die ich mir stelle ist nur die: „Warum soll man an dieses neue “Wundersystem” glauben?
    Seit 3 Jahren wird hier an der Agenturstruktur rumgedoktert, immer mal wieder was offiziell an die Presse verkündet und dann in der Realität hat sich doch nichts geändert, außer, dass es kein Obst und Saft mehr gab.
    Für den „normalen“ Mitarbeiter nicht nachvollziehbar werden die Deustchlandchefs gefeuert und aus dem Nichts (naja fast) sind 2 neue da und denen soll man dann das neue, unsicher vorgetragene System ohne Details einfach so abkaufen…

    Das in der Agenturlandschaft und in den Kunden-Agentur-Beziehungen etwas nicht stimmt ist unumstritten, das man was ändern muss/ kann auch, aber so beliebig und rücksichtslos macht es keinen Spass mehr.
    Herr Springer & Herr Jacoby sollten bei ihren Entscheidungen nachvollziehbarer sein, wenn sie schon immer noch Chef spielen wollen.

    meint Frau Jakobi am 15.09.2005 um 11:37 via Kommentar


  6. *grrrrumpffff*

    das sollte eigentlich meine nächste Station werden….

    Essen & Trinken wird in der Tat verwaisen.

    lg,Matt.

    meint Matt am 15.09.2005 um 12:43 via Kommentar


  7. Ich mutmaße, Herr Springer & Herr Jacoby werden nicht mehr lange Teilhaber an der gleichnamigen Agentur sein.

    meint MacRathgar im Internet am 15.09.2005 um 16:15 via Kommentar


  8. … naja ehrlich gesagt würde ich weder jetzt noch in kürze verkaufen, sondern auf mehr agenturgewinn = höheren kurs warten.

    und das wird sicherlich nicht soooo schnell passieren

    meint ich am 15.09.2005 um 17:03 via Kommentar


  9. lolol ihr alle.

    meint james am 15.09.2005 um 17:37 via Kommentar


  10. keine einsendungen mehr? das ist doch schon fast ein kündigungsgrund.

    meint sebastian am 15.09.2005 um 17:57 via Kommentar


  11. Ist der ADC dann bald pleite?

    meint Claus Thaler am 15.09.2005 um 18:41 via Kommentar


  12. ein hinweis in eigener sache: von “C.” geschriebener kommentar stammte nicht von diesem “c”, dem s&j und so ziemlich jede andere deutsche agentur am arsch vorbeigehen.

    meint c am 16.09.2005 um 00:05 via Kommentar


  13. Stimmt, der stammte von mir. Und mir gehts auch nicht am Arsch vorbei. Sorry, dass ich das C. verwendet habe, lieber c.
    Der Teufel steckt wie immer im Detail.

    meint C. am 16.09.2005 um 12:13 via Kommentar


  14. yeah c., und weißt du, wem am arsch vorbeigeht, welche agentur du cool findest?

    aber s&j haben eindeutig an attraktivität verloren. schade jungs, das hätte was werden können mit uns…

    meint d. am 18.09.2005 um 10:13 via Kommentar


  15. locker bleiben, kiddo.

    meint c am 19.09.2005 um 04:09 via Kommentar


  16. word, buster.

    meint d. am 20.09.2005 um 11:26 via Kommentar


  17. arrested development? gob!

    meint c am 20.09.2005 um 17:06 via Kommentar


  18. Schade S&J, alles ist vorbei.

    meint Koenich Johann am 22.09.2005 um 18:40 via Kommentar



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