Alles so schön bunt hier

Kein Eintrag, sogar nicht jene über die Aktion Werbetexten eines bundesweit bekannten Direktmail-Verlags sowie jene zum Thema BILD-Anzeige, hat bisher eine so hitzige Diskussion verursacht, wie der über die Werber-Reportage in der SZ, die ich in einen erweiterten Zusammenhang gestellt habe. Darum nun einige klarstellende, zusammenfassende und ergänzende Worte.

Zum Eintrag: Wer genau liest (das allerdings verlange ich von meinen mediengeschulten Lesern), wird feststellen, dass ich dort niemanden persönlich und namentlich wegen seiner Arbeit angreife. Die Zeile “Wer … anbietet, wird … ernten”, bezieht sich selbstredend nicht auf das werbetextende Individuum A.T., sondern auf die Agentur BBDO und (ihre Verantwortung für) ihren Output. Dies wird auch im letzten Satz des Eintrags deutlich; ferner ergänzt durch einen späteren Kommentar meinerseits. Übrigens: Von dem bzw. der einzigen, die sich wirklich beleidigt fühlen darf, war erstaunlicherweise bislang nicht die Rede: nämlich der Art Direktorin. Denn da wird immer der arme Texter gescholten oder verteidigt, doch sie, über die ich mich wirklich lustig gemacht habe, wird keines Wortes gewürdigt. Wie wär’s? Zur Verteidigung, anyone?

Und nun zum Grundsätzlichen, weil einige anscheinend eine Auffrischung im Grundkurs (Online-)Publizistik benötigen: Ich habe Passagen, die ich interessant und erwähnenswert finde, aus einem Zeitungsartikel zitiert und diese Zitate kenntlich gemacht, so wie sich das gehört und wie man das in der Uni bzw. im Journalismus lernt, doch vielleicht nicht in der Werbeschule. Dann habe ich weiters einen Zusammenhang hergestellt zwischen einer anonymen Anzeigen-Kritik, die ich zuvor auf meiner Site publiziert hatte. In diesem Kontext ist es ist wenig einleuchtend, dass ich aus Pietät just Namen aus Zitaten streichen soll, die jeder Depp (Entschuldigung) ganz einfach selbst nachlesen kann. Was wäre eigentlich, hätte die SZ als Beispiel eben jene im Text erwähnte Anzeige selbst abgedruckt oder als Pappe im Foto gezeigt? Denn es ist in erster Linie genau diese mediale Vernetzung oder Anreicherung, die ich hier hergestellt habe und die ein wesentlicher Bestandteil des Internets und der Weblog-Szene ist. Schlußendlich habe ich den “einfachen, neutralen Link” in eine neue Textform konvertiert, nämlich in eine Polemik. Und wie das mit Polemiken (und Meinungen) so ist: Man kann sie teilen. Oder auch nicht. Genau dafür gibt es das Forum bzw. die Kommentarfunktion, in die jeder reinschreiben kann, was er will; denn ich zensiere nicht, so lange keine Kommentare auftauchen, die deutsches Recht oder mein virtuelles Hausrecht verletzen.

Womit wir bei dieser Site an sich, und wie sie funktioniert, angekommen sind. Neue und vielleicht nur kurzfristige Leser wie der “Heckenschütze” seien darauf hingewiesen, dass diese Site und die Leute, die hier ihre Meinung formulieren, lediglich dem im Internet weitverbreiteten Brauch folgen, Nicknames zu verwenden. Das ist ihr gutes Recht, wie auch der “Heckenschütze” daselbst beweist. Viele geben sogar eine Email-Adresse an, deren Funktion ich als Site-Betreiber jedoch deaktiviert habe, um die Leser vor unerwünschten E-Mails, nicht von Kollegen, sondern von Spammern zu schützen. Ich wiederum für meinen Teil halte hier zwar gern den Kopf hin, nicht jedoch meinen Namen. Das hier ist keine Egoshow. Ich bin nicht Jean-Remy von Matt, ich stehe nicht in der “Bunten”. Hier sprechen die Texte für sich, kein prominenter Name davor oder irgendeine uninteressante Privatperson dahinter.

Bleibt noch der Vorschlag, der in der Diskussion unterbreitet wurde: das Kabinett der Katastrophen. Die Sektion der Selbstbezichtigung. Das geht nicht. Aus einem einfachen Grund: Ich betreibe diese Site mit Wissen der Agentur, in der ich arbeite. Doch weil ich offensichtlich kein Blatt vor den Mund nehme, weder gegenüber der Branche noch in Richtung all der mediokren Kunden da draußen, möchte mein CEO, das Wohl der Agentur (und damit meins) im Sinn, daß ich mich ein wenig bedeckt halte. Fair point. Aber wie ich schon vor dem Vorschlag versprochen habe: Ich stelle demnächst ein Frühwerk hier auf. Und es wird sehr, sehr schrecklich werden.



14 Kommentare dazu:


  1. Lieber Verführer,

    alles logisch und nachvollziehbar in deinem Vortrag. Nur eines verstehe ich nicht: Wenn Claus Thaler bei einer renommierten Hamburger Agentur (”…irgendwo zwischen Springer & Jacoby und BBDO”,) arbeitet, warum hat er es dann nötig, den BBDO-Texter mehrfach persönlich in die (Pizza)-Pfanne zu hauen? Nicht nur beim Pan-statt-Panik-Thema. Sondern auch bei der Abebooks-Geschichte (siehe Kommentar Nummer III.) Der muß doch eigentlich wissen, dass es manchmal nicht so geht, wie man will.

    Deshalb die Frage: Welches persönliche Motiv führt dazu, jemanden derart aggressiv ans Bein zu pinkeln. Zumal er (der BBDO-Texter) einen Job macht, den wir alle tagtäglich machen. Mal besser, mal schlechter. Das ist die klitzekleine Frage, die ich mir hier fortwährend stelle?

    Und was die von dir angesprochenen Beleidigungen angeht: Mir ging es nicht darum, persönlich beleidigend zu werden. Niemals. Das haben die selbstherrlichen “Superkreativen” schon selbst besorgt. Sieh meine Kommentare deshalb bitte als eine mehr als überfällige Reaktion an - auf eine gänzlich überflüssige und hinterfotzige Häme-Kampagne seitens deiner “Werbekumpels” aus L.A. und HH.

    Kurzum: Mir geht es einzig und allein darum, die Motive von eben solchen Typen zu ergründen, die scheinbar große Freude dabei empfinden, Kollegen im Schutze der Anonymität öffentlich in die Eier zu treten. Das ist erbärmlich schlechter Stil. Und der macht mir Sensibelchen eben so zu schaffen. Vestehst du?

    meint Heckenschützen-Heckenschütze am 25.08.2004 um 23:15 via Kommentar


  2. jetzt haben sie es immer noch nicht verstanden. gut, ich will es ihnen noch einmal erklaeren: nur weil ein motiv ihnen als nonplusultra erscheint, muss es noch lange nicht dieses sein. der umkehrschluss ihres vorschlages waere doch, dass lob in zukunft nur noch an die agenturen, nicht mehr an kreative vergeben wuerde. dass es nicht so geht, wie man will, ist keine entschuldigung, den stift fallen zu lassen. milde nachsicht darf man sich dann auch nicht erhoffen. immerhin verhaften polizisten auch polizisten, urteilen richter ueber richter, etc pp. ihr argument ist also allenfalls als sottise zu betrachten. was ihren stil bis hierhin angeht, so war der zumindest anmassend. kann ich mit leben, nur samthandschuhe solltest du dann von mir nicht erwarten. kumpeleien allerdings finden hier nicht statt. ich lese dieses weblog und kommentiere - ganz genau, wie du auch. damit hat es sich auch schon.

    meint c am 26.08.2004 um 00:34 via Kommentar


  3. verfuehrer, du brauchst ne edit funktion. sie-du, das kommt dabei heraus, wenn man nebenbei auf englisch am telefon plappert.

    meint c am 26.08.2004 um 00:36 via Kommentar


  4. wer eine domain hat, hat kaum chancen seinen namen zu “schützen” - sei nur mal so angemerkt

    meint börp am 26.08.2004 um 09:39 via Kommentar


  5. Aber verrat’s niemandem weiter, ja?

    meint Verführer am 26.08.2004 um 09:43 via Kommentar


  6. Lieber Heckenschütze-Heckenschütze,
    eigentlich wollte ich zu ihren Statements schweigen, damit das hier nicht zu einer Privatfehde ausartet, die keiner braucht, aber jetzt sage ich es noch mal deutlich: Wer sein Gesicht in die Zeitung hält, der muß auch damit leben, dass man darüber lacht. Und das habe ich getan.
    Mir ist Anno T. als Person ziemlich schnuppe, ich kenne ihn nicht persönlich und ich habe keinen Grund ihm ans Bein zu pinkeln. Aber auch ich habe lange Zeit mit Sebastian Hardieck gearbeitet, der ja laut Artikel der CD von Anno T. ist und ich kann ihnen gerne mal erzählen, was Herr Hardieck in seiner Hamburger Zeit mit Textern zu machen pflegte, die ihm Headlines wie “Pizza statt Nixda” vorgelegt haben…
    :-))

    meint Claus Thaler am 26.08.2004 um 10:04 via Kommentar


  7. erst kochen die wellen hoch, dann kommt eine lange erklärung. und jetzt eine kurze von mir: wer in o. wohnt, arbeitet in f/m. und zwar bei s&s und kann daher auch über ch ausführlichst berichten.

    meint pseudonym am 26.08.2004 um 10:18 via Kommentar


  8. :D

    meint börp am 26.08.2004 um 10:35 via Kommentar


  9. kann das sein, dass Du meinen letzten satz, und zwar den mit der “denic” zensiert hast? und wo war dann der verstoß gegen das deutsche recht? eigentlich immer gesetzestreu, das pseudonym.

    [anmerkung vom geheimen verfuehrer: also, liebes pseudonym, lies noch mal genau nach im artikel. diese site gehoert mir, ich mache hier, was ich will (z.b. den letzten und diesen kommentar zu redigieren), und was ich nicht will, wird hier nicht gemacht. das ist eine ewig lange diskussion, die es auch auf anderen webseiten bzw. in anderen weblogs schon gegeben hat. ich glaube, jeder hat gemerkt, dass du's draufhast, deswegen lasse ich ja auch das wesentliche stehen. der rest tut nichts zur sache. dank der technik weiss ich hier auch eine ganze menge mehr ueber die poster, als sie vielleicht denken, aber ich respektiere ihren wunsch, auch deinen. vielleicht kannst du das auch. fänd' ich toll]

    meint pseudonym am 26.08.2004 um 10:37 via Kommentar


  10. alles klar. dann lassen wir’s eben. jeder wie er will. aber sag doch ehrlich, dass Du zensierst, wenn’s privat wird. ansonsten: nette seite. weiter so. und: nichts für ungut.

    [noch eine anmerkung vom verfuehrer: ich zensiere, wenn's privat wird. punkt. und danke fuer das kompliment.]

    meint pseudonym am 26.08.2004 um 10:42 via Kommentar


  11. Lieber Claus Thaler,

    eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema auch nicht mehr äußern. Der Hinweis mit der drohenden Privatfehde hat mich dann doch zur Räson gebracht. Brauchen wir nicht. Und irgendwie ist auch alles gesagt. Den “Schweinebauch” nehm ich zurück. Nicht aber die grundsätzliche Auffassung, dass hier etwas gewaltig schief lief.

    Drei Dinge habe ich gelernt:

    Erstens: Häme ist und bleibt eine urdeutsche Paradedisziplin. Würde es dafür Award-Shows geben, wir wären mit Abstand die Besten.

    Zweitens: Häme ist und bleibt eine urdeutsche Paradedisziplin. Würde es dafür Award-Shows geben, wir wären mit Abstand die Besten.

    Und drittens: Häme ist und bleibt eine urdeutsche Paradedisziplin. Würde es dafür Award-Shows geben, wir wären mit Abstand die Besten.

    Ach ja: Um einem möglichen Eindruck vorzubeugen. Ich arbeite nicht bei oder für die BBDO. Muß also nicht Pizza-Hut machen. Trotzdem vielen Dank - lieber Verführer - für die fünf schnellen Motive. Arbeitest du auch als Freier? ;)

    Ach ja, die Zweite: Lieber “c”, hast du vielleicht eine Praktikanten-Stelle frei? Ich bin mobil - und gänzlich schmerzfrei. Klingt verlockend, oder?

    Kuß vom Heckenschützen-Heckenschütze

    meint Heckenschützen-Heckenschütze am 27.08.2004 um 00:31 via Kommentar


  12. funky, das mit der deutschen eigenschaft. habe ich damals auch gedacht, buerokratie, regeln, niedermachen, da macht den deutschen keiner was vor. und dann bin ich nach england gezogen und habe mir angesehen, wie sie die premier league jungs dichtgeballert haben. danach kam amerika und mehr als ein richtig mieser wahlkampfspot. shit no, die deutschen sind recht steif, weltmeister macht sich das noch lange nicht. ich habe das gefuehl, dass jedes volk sich so empfindet, doch ich kann mich irren.

    meint c am 27.08.2004 um 01:27 via Kommentar


  13. Grüß Gott, allerseits. Ich habe mit Erstaunen diese Diskussion verfolgt und denke, jetzt ist es an der Zeit, sich einzuschalten. Also, ich melde mich hier live und direkt aus dem Vorhof zur Hölle, links vom Rhein. Nein, ich bin nicht Anno Thenenbach oder Caroline Kunsemüller. Muss aber an dieser Stelle klarstellen, dass die mit der Pizza Hut Anzeige nichts zu tun hat, denn die hat der Anno mit einem anderen AD gemacht. Die beiden saßen halt noch zusammen als Team in dem Büro als der Mann von der SZ vorbei kam. Und auch Sebastian Hardieck hat nichts damit zu tun, denn da sitzt ein ganz anderer CD drauf. Darum auch hier gleich meine Frage an Claus Thaler: was pflegte Herr Hardieck denn mit Textern zu machen, die ihm Headlines à la “Pizza statt Nixda” vorlegten?? Muss ich mir jetzt in die Hosen machen? Werde nämlich am Montag von ihm auf eine Sheba-Anzeige gebrieft.
    Generell ist die Debatte um beschissene Anzeigen überhaupt nicht müßig und ich bitte darum, genau dies hier weiterzuverfolgen, denn natürlich trägt auch jeder Kommentar zur Selbstfindung aller Beteiligten bei, nämlich wer hier für gute oder für schlechte Werbung einsteht. Deswegen ist dieser Artikel der SZ intern von der obersten Heeresleitung auch nur als Bestandsaufnahme der BBDO gewertet worden, nicht als Statement zu guter oder schlechter Kreation. Ja, wer sein Gesicht in die Zeitung hält, muss sich Häme gefallen lassen, allerdings ist die Anzeige von Pizza Hut gar nicht in dem Artikel gezeigt worden, das tat diese Site und hat damit erst Zusammenhänge hergestellt, die sich so nicht ergaben.
    Aber davon abgesehen ist der einzige Texter der für mich zählt eh der Mann, der “Mr. Nudist Colony Activity Coordinator” geschrieben hat.

    meint Heinz am 27.08.2004 um 11:30 via Kommentar


  14. Lieber Heinz,
    nur ganz kurz: Nein, du mußt dir nicht in die Hose machen, der Herr Hardieck ist eigentlich ein ganz, ganz Netter. Und wenn du “Junior” sein solltest, dann kannst du von ihm eine ganze Menge lernen. Nur solltest du ihm eben nicht so Dinger wie “Pizza statt Nixda” vorlegen, aber das machst du wahrscheinlich eh nicht, oder?

    meint Claus Thaler am 27.08.2004 um 11:39 via Kommentar



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